Kennst du diese Stimmen in dir auch?
Eigentlich müsste ich mit dem Sport anfangen, doch etwas hält mich ab.
Die Hausarbeit sollte längst geschrieben sein, doch meine Motivation ist im Keller.
Wenn ich nur wüsste, wie ich abnehmen soll, dann wäre ich schon längst schlanker.Oder: Alle anderen haben starke Ziele – nur ich nicht?
Vielleicht kennst du solche Gedanken. Die gute Nachricht ist: Oft gibt es ganz andere Gründe als fehlende Motivation, warum wir trotz bester Vorsätze nicht ins Handeln kommen. Schauen wir uns die häufigsten an.
1. Das Ziel ist zu groß
Stattdessen: Ziele in kleine Schritte runterbrechen
In kleinen Schritten wird der Marathon gewonnen. Wer noch nie laufen gegangen ist, wird sich wohl kaum das Ziel setzen, zwei Monate später einen Marathon zu laufen. Hier braucht es realistische und machbare Ziele, die in kleine Meilensteine heruntergebrochen werden. Erst dann werden sie gangbar.
Bei Zielen, die zu groß sind, stehen wir oft ehrfürchtig vor dem ganzen Berg und wissen nicht, wo wir anfangen sollen. Vielleicht kennst du das auch? Du würdest gerne starten, fühlst dich aber völlig überfordert. Genau das ist der Punkt: Unser Gehirn liebt Übersicht. Ist ein Ziel zu groß oder zu unklar, fühlt es sich schnell überfordert – und die Motivation hat kaum noch Raum, sich zu entfalten.
Im NLP gibt es eine schöne Timeline-Methode, die dabei hilft, Ziele in machbare Schritte zu unterteilen, Ressourcen hinzuzufügen und den Weg zum Ziel attraktiv auszumalen. So kann der Satz von Goethe: „Sobald der Geist auf ein Ziel gerichtet ist, kommt ihm vieles entgegen.“ tatsächlich Wirklichkeit werden.
2. Zweifel und fehlender Überblick
Stattdessen: Klarheit schaffen und den nächsten Schritt definieren
Vielleicht kennst du dieses Gedankenkarussell:
Soll ich? Oder soll ich nicht?
Soll ich mich auf den Job bewerben? Die Prüfung angehen? Das Podcast-Interview zusagen? Mein eigenes Business starten? Oder endlich das Buchprojekt beginnen?
Vor lauter Zweifeln verliert die Motivation an Fahrt.
Schreibe deshalb einmal alle Argumente dafür und dagegen auf. Schaue anschließend, welche inneren Stimmen sich melden und was es braucht, damit aus dem Zweifel entweder eine machbare Handlung oder auch ein stimmiges Nein wird. Manchmal hilft es bereits, das Thema zu sortieren. Dann können Fragen wie diese weiterhelfen:
Was brauche ich, damit ich motiviert in das Projekt starte?
Weiß ich überhaupt, was alles zu tun ist?
Welche Schritte gehören in meinen Zeitplan?
Wo brauche ich noch Unterstützung oder weitere Ressourcen?
Wie wird es sich anfühlen, wenn ich das Ziel erreicht habe? Wenn ich das Projekt umgesetzt habe, den Sport ins Leben integriert habe?
Ein Klient kam einmal mit dem Thema, dass er für eine interne Präsentation angefragt worden war und dabei ein ungutes Gefühl hatte. Gemeinsam sortierten wir das Thema und erstellten eine Liste mit Fragen, die er vor seiner Zusage klären wollte. Beim nächsten Coachingtermin hatte er alle Antworten erhalten, aktivierte seinen Ressourcen und konnte die Präsentation anschließend souverän und mit einem guten Gefühl annehmen.
Oft fehlt nicht die Motivation, sondern die Klarheit. Sobald wir verstehen, worum es wirklich geht und welcher nächste Schritt sinnvoll ist, entsteht häufig ganz von selbst wieder Bewegung im Thema.
3. Das Ziel hinter dem Ziel – das falsche oder fehlende Ziel
Was wird dir durch die Zielerreichung möglich?
Hier knüpfen wir direkt an den vorherigen Punkt an. Manchmal steckt hinter einem Ziel ein Bedürfnis, das sich auf einem ganz anderen Weg viel stimmiger erfüllen lässt.
Ein Beispiel: Ein Kollege sagte einmal zu mir: „Ich würde gerne ein Buch schreiben.“
Wir arbeiteten miteinander und stellten fest, dass ihm das Schreibhandwerkszeug fehlte, das Thema noch unklar war und ihm außerdem die Zeit fehlte.
Dann stellte ich ihm die Frage: „Was wird dir durch die Buchpublikation möglich?“
Seine Antwort lautete: „Ich möchte als Heilpraktiker mehr Renommee gewinnen.“
Damit veränderte sich die Perspektive. Die eigentliche Frage lautete nun: „Wie kann ich mein Renommee als Heilpraktiker steigern?“
Plötzlich entstanden viele Ideen und konkrete Maßnahmen. Seine Motivation wuchs mit jedem Gedanken. Zum Schluss fragte ich ihn noch: „Und was ist jetzt mit dem Buch?“
Er lächelte und antwortete: „Welches Buch?“
Dieser Kollege steht stellvertretend für viele Klientinnen, Klienten und auch Freundinnen, bei denen sich nach genauerem Nachfragen ähnliche Zusammenhänge gezeigt haben.
Deshalb lohnt es sich, das eigene Ziel mindestens dreimal zu hinterfragen. Warum ist dir dieses Ziel wichtig?
Oder noch besser: Was wird dir durch das Erreichen dieses Ziels möglich?
Manchmal entdecken wir dabei, dass wir einem Ziel hinterherlaufen, das uns gar nicht wirklich motiviert. Dahinter verbirgt sich häufig ein viel passenderes und stimmigeres Ziel – und genau dort entsteht echte Motivation.
4. Zu viele Ablenkungen
Stattdessen: Die Umgebung einfacher machen – Handy weg, Fokuszeiten schaffen
Kennst du das auch? Du möchtest endlich an deinem Ziel arbeiten – und zack, ist der Nachmittag durch andere Aufgaben und ständige Unterbrechungen verstrichen.
Ja, in der Tat: Für die Erreichung eines Ziels braucht es Aufmerksamkeit und Fokussierung. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass wir nach jeder Unterbrechung deutlich Zeit benötigen, um wieder in den Fokus und den Flow zu kommen. Das ist ähnlich wie bei einem Fahrrad, das erst abbremsen muss, um anschließend wieder Fahrt aufzunehmen. Gleichzeitig verbraucht unser Gehirn zusätzliche Energie, wenn es ständig zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und herspringt.
Ich hatte einmal eine Klientin, die für eine wichtige Prüfung lernen musste. Wurde sie angerufen, ging sie sofort ans Telefon. Kündigte sich Besuch an, sagte sie nicht Nein. Erst im Coaching wurde ihr bewusst, dass sie ihre Gewohnheiten verändern musste. Sie durfte lernen, ihre Lernzeiten genauso ernst zu nehmen wie jeden anderen wichtigen Termin.
Frag dich deshalb einmal:
Was könnte dich bei der Erreichung deines Zieles ablenken? Handy, Freunde, Netflix oder Computerspiele?
Welche Umgebung unterstützt dich dabei, konzentriert zu arbeiten? Ein ruhiger Arbeitsplatz, ein aufgeräumter Schreibtisch oder der Blick ins Helle?
Welche Hilfsmittel benötigst du, um dein Ziel leichter zu erreichen? Gute Sportschuhe, eine stabile Internetverbindung oder die passende Software?
Eine gut vorbereitete Umgebung unterstützt uns oft mehr, als wir denken.
Übrigens: Die Forschungsgruppe um Gloria Mark von der University of California, Irvine, hat herausgefunden, dass Menschen nach einer Unterbrechung durchschnittlich 23 Minuten und 15 Sekunden benötigen, um wieder vollständig zur eigentlichen Aufgabe zurückzukehren.
Und falls du dich fragst: Ja – meine Klientin hat ihre Prüfung erfolgreich bestanden.
5. Fehlende oder die falsche Motivationsstrategie
Motivation braucht die richtige Pflege
Wenn das kleine Pflänzchen eines Wunsches in uns erwacht, braucht es manchmal einiges, bis daraus ein gut formuliertes Ziel entsteht. Natürlich dürfen Ziele SMART formuliert sein – also spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Doch noch bevor ein Ziel diese Form annimmt, sabotieren wir uns häufig selbst.
Zum Beispiel so:
Du möchtest ein paar Kilo abnehmen – und stellst dich morgens auf die Waage, rechnest in Gedanken Kilos hinzu und bis sofort überfordert mit der Aufgabe.
Du freust dich auf die Hochzeit, zu der du eingeladen bist – und malst dir gedanklich bereits das Kuchenbuffet und den Nachtisch aus.
Du möchtest regelmäßig Sport treiben und fragst dich schon vor dem ersten Training, was passiert, wenn du es sowieso nicht durchhältst.
Du möchtest deine Bachelorarbeit schreiben oder ein eigenes Business aufbauen und stellst dir sofort vor, wie alles scheitert und andere das mitbekommen.
Oder du redest dir ein, dass gerade einfach nicht der richtige Zeitpunkt ist. Schließlich gab es schon viele Ideen, die du voller Begeisterung begonnen und später wieder verworfen hast.
Spätestens dann wird der erste Motivationsfunke im Keim erstickt. Was braucht dieser kleine Keim stattdessen? Die richtige Pflege.
Es hilft, sich daran zu erinnern, wann man schon einmal wirklich motiviert war. Welche Bilder hattest du damals im Kopf? Welche Gedanken? Welche innere Haltung? Diese persönlichen Erfolgsmomente lassen sich wunderbar mit einem neuen Ziel verknüpfen.
Ernüchterungsphase
Ebenso wichtig ist eine gute Strategie für den Moment der Ernüchterung. Denn dieser kommt fast immer. Plötzlich wird uns bewusst, wie viel Arbeit tatsächlich vor uns liegt. Genau dann braucht es eine innere Stimme, die sagt:
"Jawohl, das schaffen wir." "Jetzt erst recht." "Komm, wir fangen einfach an – der Rest ergibt sich Schritt für Schritt."
Genau diesen Prozess beschreibt der Neugier-Erfolgs-Loop von Klaus Grochowiak sehr anschaulich. Nach der anfänglichen Neugier und Euphorie folgt häufig eine Ernüchterungsphase. Das ist völlig normal. Wir erkennen plötzlich, wie groß die Aufgabe wirklich ist. Wer diese Phase akzeptiert und sich mit hilfreichen inneren Dialogen begleitet, gelangt in die Ausdauerphase – und schließlich zum Erfolg.
Selbstmanagement bedeutet deshalb auch, die eigene Motivationsstrategie kennenzulernen. Jeder Mensch motiviert sich auf eine andere Weise. Diese persönlichen Strategien bewusst herauszuarbeiten und mit hilfreichen Bildern, Worten und positiven Erinnerungen zu verknüpfen, kann entscheidend dazu beitragen, den Jobwechsel anzugehen, die Promotion zu beginnen, ein Buch zu schreiben oder ein neues Projekt erfolgreich umzusetzen. Und so an sein gewünschtes Ziel zu gelangen!
Wie gehst du mit deiner Ernüchterungsphase um?
Wie kannst du Hindernisse aus dem Weg räumen oder ihnen konstruktiv begegnen?
Welche inneren Dialoge helfen dir, dranzubleiben?
Prokrastination, Perfektionismus, limitierende Glaubenssätze, fehlende Energie
Ein weiterer Motivationsverhinderer ist übrigens die Prokrastination – das ständige Aufschieben wichtiger Aufgaben. Dahinter stecken häufig Perfektionismus, die Angst vor Fehlern oder limitierende Glaubenssätze. Auch diese Strategien laufen meist unbewusst ab. Werden sie sichtbar, können sie verändert und durch hilfreichere Denk- und Handlungsmuster ersetzt werden.
Und noch etwas ist mir wichtig:
Wenn du im Moment gar keine Motivation mehr spürst, muss das nicht an fehlendem Willen liegen. Manchmal sind unsere Energiereserven schlicht erschöpft. Ein übervoller Alltag, anhaltender Stress, hormonelle Veränderungen oder auch Depressionen können die Motivation erheblich beeinträchtigen. Nimm das ernst und scheue dich nicht, ärztlichen Rat einzuholen.
Fazit
Eins ist klar: Wenn wir ein Ziel haben, das wirklich zu uns passt und in dem unsere Leidenschaften wohnen, entsteht im Inneren eine besondere Gestaltungskraft. Sie gibt uns Energie, Orientierung und die Freude, den nächsten Schritt zu gehen.
Es lohnt sich, den eigenen Träumen, Visionen und nächsten Schritten Raum zu geben. Und manchmal ist es ebenso richtig festzustellen, dass im Moment alles gut ist, wie es ist.
Wenn du jedoch etwas in die Welt bringen möchtest und dir dabei ein wenig Anschubhilfe wünschst, begleite ich dich gerne in einem Coaching. Gemeinsam entwickeln wir eine Motivationsstrategie, die wirklich zu dir passt – vor Ort in Köln-Ehrenfeld oder ganz bequem in einem Online-Coaching.
