Innere Antreiber erkennen und Stress reduzieren – wie Coaching helfen kann

Zustandsmanagement: In jeder Situation den passenden Zustand finden

Zustandsmanagement im NLP (Neurolinguistisches Programmieren) bedeutet, jederzeit auf den Zustand zugreifen zu können, den man braucht, um Situationen gut meistern zu können.

Ein Zustand von Verliebtsein hilft zum Beispiel bei einem Heiratsantrag, bei Vertragsverhandlungen ist dieser Zustand jedoch wenig hilfreich. Ein Zustand völliger Konzentration hilft dabei, Meisterschaften im Dartspielen zu gewinnen. Beim Relaxen nach Feierabend ist es dagegen gut, alle Fünfe gerade sein zu lassen.

In welcher Situation man sich auch befindet: Es ist von großem Vorteil, seine eigenen Zustände bewusst beeinflussen und verändern zu können.

Doch was passiert, wenn wir unter Stress geraten? Häufig versuchen wir dann, die Situation zu bewältigen, indem wir noch perfekter arbeiten, uns noch mehr anstrengen, noch schneller werden, es anderen noch mehr recht machen wollen oder noch stärker sein möchten. Wir greifen auf vertraute Verhaltensmuster zurück, die uns kurzfristig helfen können, langfristig aber zusätzlichen Druck erzeugen.

Hier kommt das Antreiberkonzept aus der Transaktionsanalyse ins Spiel.

Was sind innere Antreiber?

Innere Antreiber können als unbewusste Handlungsanweisungen angesehen werden, die wir bereits in unserer Kindheit von unseren Eltern oder anderen Bezugspersonen gehört haben. Botschaften wie „Streng dich an!“, „Sei brav!“, „Mach schnell!“, „Mache es allen recht!“ sowie „Zeig keine Schwäche!“ können sich im Laufe der Zeit verinnerlichen.

Die Antreiber gelten in der Transaktionsanalyse einerseits als positive Richtschnur für die soziale Interaktion – als Vorstellungen davon, wie ein Mensch sein sollte. Sie stützen uns und können uns Sicherheit geben. Andererseits können sie zu belastenden Mustern werden, die mit Stress einhergehen. Denn wenn sie überbetont sind, können sie uns einengen und unter Druck setzen. Dahinter steht häufig die unbewusste Grundannahme:

„Ich bin nur dann in Ordnung, wenn ich diesem Grundsatz immer folge.“

Ein Mensch mit dem Antreiber „Sei perfekt!“ könnte beispielsweise glauben: „Ich bin nur dann gut genug, wenn ich keine Fehler mache. Wenn ich perfekt bin!“

Die fünf inneren Antreiber im Überblick:

1. „Sei perfekt!“

Dieser Antreiber steht für Perfektion, Fehlerlosigkeit und den Anspruch, in allem, was man tut, höchste Leistungen zu erbringen.

Typische innere Glaubenssätze:

„Ich muss alles noch besser machen.“
„Es ist nie gut genug.“
„Fehler darf ich mir nicht erlauben.“

Mögliche stressbedingte Folgen:
Aufgaben dauern länger als nötig, Entscheidungen werden aufgeschoben und die eigene Leistung wird ständig kritisch überprüft. Selbst gute Ergebnisse fühlen sich nicht ausreichend an.

2. „Mach schnell!“

Dieser Antreiber verleitet dazu, schnell und oft überhastet zu reagieren – beim Antworten, Sprechen, Entscheiden oder Erledigen von Aufgaben.

Typischer innerer Glaubenssatz:

„Ich muss schnell sein, sonst werde ich nicht fertig.“

Mögliche stressbedingte Folgen: Pausen werden ausgelassen, mehrere Aufgaben gleichzeitig begonnen, andere Menschen ungeduldig unterbrochen. Dabei entsteht leicht das Gefühl, ständig unter Zeitdruck zu stehen.

3. „Streng dich an!“

Bei diesem Antreiber entsteht ein Zufriedenheitsgefühl vor allem dann, wenn Aufgaben mühsam sind und viel Anstrengung erfordern. Leichtigkeit wird möglicherweise mit mangelndem Einsatz verwechselt.

Typische innere Glaubenssätze:

„Ich muss mich immer anstrengen, egal wobei.“
„Das Leben ist hart.“
„Ohne Fleiß kein Preis.“

Mögliche stressbedingte Folgen: Lösungen werden unnötig kompliziert, Unterstützung wird zu selten angenommen und Erfolge fühlen sich erst dann verdient an, wenn man dafür besonders viel geleistet hat.

4. „Mach es allen recht!“

Menschen mit diesem Antreiber fühlen sich dafür verantwortlich, dass andere Menschen in ihrem Umfeld sich wohlfühlen und mit ihnen zufrieden sind.

Typische innere Glaubenssätze:

„Ich bin dann wertvoll, wenn alle mit mir zufrieden sind.“
„Wenn ich Nein sage, werde ich abgelehnt.“
„Ich darf andere nicht enttäuschen.“

Mögliche Folgen für den Stress: Eigene Bedürfnisse treten in den Hintergrund, Konflikte werden vermieden und zusätzliche Aufgaben werden übernommen, obwohl die eigenen Kapazitäten längst ausgeschöpft sind.

5. „Sei stark!“

Der Antreiber „Sei stark!“ bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem: Zeige keine Gefühle und lass dir nicht anmerken, wenn dich etwas belastet.

Typische innere Glaubenssätze:

„Niemand darf merken, dass ich schwach, empfindlich oder ratlos bin.“
„Gefühle zeigt man nicht.“
„Indianer kennen keinen Schmerz.“

Mögliche stressbedingte Folgen: Belastungen werden allein getragen, Hilfe wird nicht angenommen und eigene Grenzen werden ignoriert. Nach außen wirkt man vielleicht souverän und belastbar, während innerlich die Anspannung wächst.

Wie zeigen sich innere Antreiber im Alltag?

Besonders deutlich werden innere Antreiber häufig in stressigen Situationen. Dann greifen wir auf vertraute Reiz-Reaktions-Muster zurück, ohne sie bewusst zu hinterfragen.

Nehmen wir den Antreiber „Mach es allen recht!“: Er kann viel Energie kosten, wenn Sie beispielsweise

  • Entscheidungen treffen müssen, obwohl Sie wissen, dass sich nicht alle Bedürfnisse im Team oder in der Familie erfüllen lassen.

  • Den Urlaub planen: Vielleicht äußern erst alle anderen ihre Wünsche, bevor Sie sich selbst die begehrten Brückentage reservieren.

  • Zusätzliche Aufgaben übernehmen: Sie sagen Ja zu Aufgaben von Kollegen oder Mitarbeitern, obwohl Sie bereits stark ausgelastet sind.

  • Konflikte vermeiden: Sie sprechen Probleme nicht an, weil Sie niemanden enttäuschen oder verärgern möchten.

Bei diesem Antreiber bekommt das DU häufig mehr Aufmerksamkeit als das ICH. Der andere spielt bei vielen Überlegungen die erste Geige. Die eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen geraten dabei leicht aus dem Blick.

Dabei hat dieser Antreiber durchaus auch eine positive Seite: Er kann mit einer ausgeprägten Empathie, Rücksichtnahme und einem guten Gespür für andere Menschen einhergehen. Entscheidend ist also nicht, den Antreiber vollständig loszuwerden. Vielmehr geht es darum, ihn bewusst und flexibel einzusetzen, statt automatisch von ihm gesteuert zu werden.

Wie Coaching helfen kann, innere Antreiber zu verändern

Im Coaching arbeite ich mit Ihnen heraus, welche Antreiber Sie im beruflichen und privaten Alltag einengen oder durchaus auch fördern.

Gemeinsam reflektieren wir, wann und wo Ihre Muster automatisch ablaufen und wie Sie Ihren „einschränkenden Antreibersatz“ Schritt für Schritt so ändern können, dass Sie mehr Handlungsspielraum in Ihrem Verhalten erlangen.

Also, dass Sie selbst entscheiden können, welches Verhalten in einer bestimmten Situation hilfreich ist.

Beim Antreiber „Mach es allen recht!“ könnte das beispielsweise bedeuten:

  • Sie nehmen Ihre eigenen Bedürfnisse genauso ernst wie die Bedürfnisse anderer.

  • Sie lernen, Nein zu sagen, ohne sich dafür schuldig zu fühlen.

  • Sie treffen Entscheidungen, auch wenn nicht alle damit einverstanden sind.

So entsteht nach und nach mehr Freiheit im Umgang mit sich selbst und anderen.

Erlauber: Neue innere Botschaften entwickeln

Eine hilfreiche Grundlage, um belastende Antreiber zu verändern, sind sogenannte Erlauber. Sie bilden eine gute Basis für Affirmationen und Suggestionen, mit denen wir neue, unterstützende innere Botschaften verankern können.

Während ein Antreiber Druck erzeugt, eröffnet ein Erlauber neue Möglichkeiten. Er vermittelt, dass wir auch dann in Ordnung sind, wenn wir nicht ständig den eigenen oder fremden Erwartungen entsprechen.

Für den Antreiber „Mach es allen recht!“ könnten passende Erlaubersätze beispielsweise lauten:

  • „Ich darf meine Bedürfnisse und Standpunkte ernst nehmen.“

  • „Ich bin in Ordnung, auch wenn jemand mit mir unzufrieden ist.“

  • „Ich darf es auch mir recht machen.“

  • „Bevor ich versuche, es allen recht zu machen, prüfe, was ich selbst für richtig halte.“

  • „Ich bin ein einzigartiger, wertvoller und liebenswerter Mensch – unabhängig von meinen Leistungen und Fähigkeiten.“

  • „Ich bin okay, so wie ich bin.“

Diese Sätze sind keine Universalsätze. Entscheidend ist, dass Sie zu Ihnen passen und Sie sie im Alltag praktisch erproben. Mit der Zeit können so neue Denk- und Verhaltensmöglichkeiten entstehen.

Innere Antreiber erkennen – bevor der Stress überhandnimmt

Es ist hilfreich, sich in entspannteren Zeiten mit seinen Reiz-Reaktions-Mustern auseinanderzusetzen. Denn unter hohem Stress fällt es uns häufig schwerer, innezuhalten und alternative Verhaltensweisen zu wählen. Deshalb ist es hilfreich, die eigenen Antreiber via Tests oder Reflexionsfragen frühzeitig kennenzulernen.

In welchen Situationen setze ich mich selbst unnötig unter Druck? Was befürchte ich, wenn ich einmal nicht perfekt bin, langsamer arbeite oder Nein sage? Welche andere Reaktion wäre in dieser Situation möglich?

Das Ziel ist nicht, nie wieder Stress zu erleben. Es geht darum, die eigenen Handlungsspielräume zu erweitern und auch unter Druck bewusster entscheiden zu können, wie Sie reagieren möchten.

Möchten Sie Ihre inneren Antreiber kennenlernen?

Möchten auch Sie Ihre inneren Antreiber und Glaubenssätze besser kennenlernen? Möchten Sie herausfinden, welche Muster Sie stärken und welche Sie im Alltag unnötig unter Druck setzen?

Im Privat-Coaching, Business-Coaching oder Stress- & Burnout-Coaching unterstütze ich Sie dabei, Ihre Antreiber zu erkennen, neue Perspektiven zu entwickeln und alltagstaugliche Strategien für einen entspannteren Umgang mit Stress zu erarbeiten.

Melden Sie sich gerne für ein kostenloses Coaching-Erstgespräch.

Dann können wir gemeinsam besprechen, wie ein Coaching-Prozess Sie unterstützen kann, gelassener und selbstbestimmter mit Ihren Herausforderungen umzugehen. Ob im Coaching in Köln-Ehrenfeld in der Leyendeckerstr. oder im Online-Coaching, ich freue mich, Sie kennenzulernen.

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